Module selbstgemacht

  • Hallo,

    da ich darum gebeten wurde und gerade etwas Zeit habe, möchte ich einmal beschreiben, wie ich meine Module angefertigt habe. Bilder folgen dann in den nächsten Wochen sowohl von der Anfertigung als auch von der Entwicklung im Aquarium.

    Teil 1: Als erstes wird mit Kaninchendraht ganz grob! die Form festgelegt. Aber wiklich nur Länge, Höhe, Tiefe und Grundform. Siehe Bilder.


    Teil 2:

    Jetzt muss das Gebilde stabilisiert werden, habe ich anfangs bei so einem Drahknäul auch nicht geglaubt, ist aber so. Es sackt sonst ganz langsam über Stunden in sich zusammen wenn die erste Schicht draufkommt. Meine ersten Steine haben so ein Drittel der Höhe verloren.

    Also mit irgendwas ausstopfen, Plastikdosen, PET Flaschen, ein Eimer und Strauchschnitt habe ich schon verwendet. Dann am besten so wie es nachher stehen soll verankern, ich habe 1-2 Bambusstäbe in den Rasen gesteckt und das Gebilde darauf.


    Hier die Gesamtansicht des geplanten mit einigen fast fertigen Modulen und ein paar Drahtrohlingen.

    Hier ein Detail zweier schon stabilisierter Drahtrohlinge.


    Schritt 3: Aus alten Bettlaken, Shirts etc große Lappen schneiden und in einer sehr flüssigen Zement/ganz feiner Sand z.B.Spielkastensand - 1:1 Mischung tränken.

    Jetzt das Gebilde damit in umhüllen/ umwickeln.

    Wichtig: habe ich anfangs falsch gemacht - die später offenen Seiten, also z.B Boden und Rückseite einige Zentimeter länger machen, Draht dazu wieder etwas aufbiegen. Die Ränder werden einfach nicht schön und nachher abgeschnitten, dann hat man eine saubere Kante. Wenn das Modul 60 cm hoch werden soll also 65 hoch bauen und nachher wieder kürzen.

    In diesem Schritt werden die Strukturen, wie Mulden und Absätze modelliert. Jetzt trocken lassen, dass dauert lange mit dem nassen Stoff.


    Schritt 4:

    Werk betrachten und eventuell nachmodelieren, der Oberfläche sollte fest sein, aber etwa so zerbrechlich wie ein Knäckebrot. Also Oberfläche bei Bedarf brechen.

    Jetzt eine Zement/ Sandmischung (1:2) etwas fester als Joghurtkonsistenz ansetzen und alles damit schön einreiben, die Schicht sollte einige mm dick werden. Sie sollte halbwegs an senkrechten Flächen halten wenn nicht mehr Sand/Zement rein . Wie die Oberfläche aussieht ist noch egal. Trocken lassen.


    Auf dem Bild zu sehen die Stoffschicht und die erste Zementschicht, habe dieses mal Estrich genommen, war noch ein Rest da.

    Schritt 5: Wenn man vorsichtig ist, sollte der Stein jetzt schon nicht mehr zerbrechen wenn man ihn hebt und dreht. Stellen, die man in Schritt vier nicht zementieren konnte, z.B Überhänge, weil da nichts hielt, werden jetzt nach und nach gemacht, indem man den Stein vorsichtig dreht.

    Immer wieder trocken lassen, jetzt war bei mir, bei Temp. zwischen 5 u. 15 Grad, etwa eine Woche vergangen, bevor ich die letzte Schicht auftragen konnte.


    Fortsetzung folgt.

  • Die Fortsetzung, ich habe wieder etwas Zeit:

    Bereits jetzt sahen/sehen meine Module viel besser aus als alles was ich in den letzten Jahren probiert habe, hauptsächlich auf Basis von geschnitzten oder flambierten Styropor das war bei mir nichts. Durch das Drahtgeflecht und die Stoffummantelung ergeben sich sehr natürliche Formen wie vom Wasser geschliffen recht einfach.


    Schritt 6:

    Nun wird die letzte Schicht aufgetragen. Während man bei der Schicht davor durchaus etwas grobkörnigeren Sand benutzen konnte, vielleicht sogar besser für die Stabilität, muss es jetzt ganz Feiner sein, sonst sieht es sofort wie Beton aus. Ich habe wieder Spielsand genommen. Wieder wird eine mehrere mm dicke Schicht in Puddingkonsistenz oder etwas fester einfach mit der Hand (Handschuhe! ) aufgetragen, insgesamt habe ich eine Wandstärke von etwa einem cm mot allen drei Schichten.

    Jetzt etwas anziehen lassen (20 min oder so), wenn man die Hand drauflegt sollte es noch einen Handabdruck geben.

    Jetzt habe ich für das Oberflächenfinisch wieder ein Stofflappen in Spültuchgröße genommen nass gemacht. Den nassen Lappen auf das Modul legen und wieder runteziehen, ruhig mehrmals. Auch mal drauflegen und schnell abheben - dabei werden teilweilse Bröckchen mit rausgerissen, sieht aus wie kleine Spüllöcher oder wie das heißt. An einzelnen Stellen auch mal mit dem Tuch oder einem nassen Schwamm tupfen. Wichtig in meinen Augen das Tuch nicht in wilden Kreisen über den Stein zu ziehen, sondern in einer Hauptrichtung. Die kleiner Rillen sehen Gletscherriefen sehr ähnlich und geben einen natürlichen Aussehen.

    Falls man nicht alles gleichzeitig bearbeiten kann ist es extrem wichtig mit dem feuchten Tuch die Übergänge intensiv zu behandeln solange die der neue Bereich noch feucht ist. Die Naht zwischen zwei getrockneten Bereichen bekommt man (ich) nicht mehr weg.


    Schritt 7:

    Wenn die Oberfläche recht trocken aber noch ritzbar ist, wird weitergearbeitet. Als erstes habe ich den gesammten Stein mit grobem Schmiergelpapier geglättet und die kleinen Sandkörner auf der Oberfläche abgetragen. Ich brauchte 2-3 Bögen für 6 Module, da der restfeuchte Mörtel das Papier ziemlich zupappt. Mit kleinen Stöcken habe ich dann sehr dezent Strukturen reingebracht/ modelliert. Stöcke deswegen, weil ein Spachtel zu perfekte, glatte Kanten gemacht hat.

    Als letztes habe ich noch mit einem Besen und einer Bürste an ausgewählten Stellen auf das Modul geklopft, gibt auch eine interessante Oberfläche.


    Schritt 8:

    Jetzt richtig trocknen lassen und dann nochmal nach belieben schmiergeln, besonders die Bereiche wo mit dem Besen geklopft wurde sind mir zu rau.

    Mit der Schleifmaschine ging es gut, der Schleifaufsatz für die Flex ist zu heftig und macht schäbige kreisförmige Strukturen.


    Schritt 9:

    Die Innereien entfernen, den Draht bekommt man gut raus, bei einzelnen Modulen konnte ich sogar den Stoff größtenteils rausziehen. Komischerweise waren einige Module sehr stabil aber einige auch etwas brüchig, zumindest stellenweise. Keine Ahnung warum. Bei den instabilen und denen mit sehr zerklüfteter Innenseite habe ich innen noch eine Schicht Estrich aufgetragen. Wird stabil und glatt innen.

    Wenn alles raus ist und trocken dann mit einer Flex noch entsprechend zurechtschneiden.


    So das war es erstmal, weiter habe ich noch nicht gearbeitet. Wenn sicher ist welche Module wie geschnitten ins Aquarium einziehen, werde ich sie noch einfärben und versiegeln. Wenn das gut wird und Interesse besteht kann ich es hier noch ergänzen. Fotos der Arbeitsschritte folgen in Kürze wenn ich die neuen Module bastel.


    Ich hoffe dem ein oder anderen hilft es, ist aus vielen Anleitung im Internet zusammengetragen und angepasst worden.


    Viele Grüße!

  • Ich habe gerade Elternzeit, das bedeutet kein Einkommen aber Zeit.^^ Ich wollte große Steine, Rockzolid ist für mich im Moment finanziell nicht drin, das ganze Aquarium sollte mit dem Verkauf des Alten verrechnet nicht mehr als 1000 kosten. Die Steine haben jetzt Materialkosten von etwa einem Euro pro Stück.

    Danke für das Lob, wenn ich was mache versuche ich, dass es min. so gut wird wie gekauft. Bei den Steinen sehe ich es jetzt das erste Mal als ganz passabel gelungen an.

    Viele Grüße!