DCG Sonderbericht über zwei Malawisee-Schwarm-Cichliden-4/2012


  • Da blutet jedem Malawisee-Cichlidenliebhaber das Herz
    Utakas In rauen Mengen zum Trocknen ausgelegt


    Erwin SchramI


    Von den Einheimischen werden die m Schwärmen in Ufernähe vorkommenden, planktonfressenden Cichlidcn „Utaka" genannt, ein Name, der sich auch bei den Freunden von Malawisee-Cichliden hierzulande schon lange eingebürgert hat. In Copadichromis sind einige dieser wichtigen Cichlidenarten taxonomisch eingruppiert. Benannt ist die Gattung nach dem griechischen „kopadi", das in diesem Zusammenhang Fischschwarm bedeutet und dem Anhängsel „chromis", gleichwohl ein Gattungsname für Meeresfische, das vielleicht daran erinnern soll, dass im 19. und sogar noch Anfangs des 20. Jahrhunderts, etliche Buntbarscharten darin beschrieben worden sind. Wichtig sind diese Arten vor allem für die Bevölkerung um den Malawisee, weil sie als Eiweißlieferanten in nicht unrelevanten Mengen von Fischern gefangen werden, Ein bisschen wichtig sind sie natürlich auch für uns Aquarianer, weil durchaus interessante und auch imposante Arten darunter sind, die für die Aquarienhaltung geeignet scheinen. Allerdings gehören Copadichromis nicht zu den kleinsten Arten und ihre Haltung erfordert relativ große Becken, um auch ihrer Lebensweise als Fische, die teils in der freien Wassersäule in der Nähe von Steilabhängen stehen, wenigstens ansatzweise gerecht zu werden. 120 Zentimeter Länge fordert das Gutachten über die Mindestanforderungen. Ich denke aber, dass die Tiere erst richtig „in Fahrt kommen", wenn sie zwei oder gar drei Meter zur Verfügung haben, dann können in der Regel auch mehrere Männchen einer Art und in Vergesellschaftung mit anderen, gehalten werden,


    Ich möchte hier auf zwei Arten eingehen, die von Jürgen, einem für den „CichlidenstadI" exklusiv züchtenden Liebhaber von Malawisee-Cichliden regelmäßig vermehrt werden. Copadichromis trimaculatus ist eine dieser Arten. Wie unschwer zu erraten ist, bezieht sich der Artnamen auf drei Flecke, die diese Fische auf den Körperseiten tragen, Der Größte zwischen angelegter Brustflosse und Rückenlinie, der Kleinste am Ansatz der Schwanzflosse und dazwischen noch ein weiterer in Höhe der Afterflosse. Allerdings sind diese Flecke nur bei Weibchen und nicht balzenden Männchen zu sehen. Bei dominanten Männchen



    Nur außerhalb der Brutstimmung, wie auf diesem Bild, sind die namens-
    gebenden Flecke auf den Seiten bei Männchen von Copadichromis trimaculatus sichtbar.


    verschwinden die Flecke nahezu völlig. Laut der Beschreibung von Eccles und Trewavas wird die Art 15 Zentimeter lang (ohne Schwanzflüsse), in einer umfangreicheren Untersuchung von Weyl et al, über das traditionelle Fischen mit Licht im Malawisee, das mit Netzen erfolgt, die als „chilimira" bezeichnet werden, wurde eine Durchschnittslänge von 13,6 Zentimeter ermittelt. Konings (1995)berichtet aber von insgesamt 23 Zentimetern für
    die Population um Mbenji Island, die mitunter als „Haplochromis borleyi Large" importiert wird. Als Haplochromis war diese Art auch von lies ur-sprünglich beschrieben worden, bevor sie über die Zwischenstufe Cyrtocara, schließlich im Rahmen der Malawisee-Haplochromis-Revision in Copadichromis untergebracht wurde. Wir haben es mit einem typischen Utaka zu tun, der sich im See vor allem von pflanzlichem Plankton ernährt.





    Männchen von Copadichromis trimaculatus während der Balz. Von den
    Körperflecken ist in dieser Stimmung nichts mehr zu erkennen.


    Konings weiß zu berichten, dass sich die Tiere in der Natur so voll fressen, dass sie von den einheimischen Fischern den Namen „Jakhuta" erhalten haben, was „gesättigt" bedeuten soll. Um die kärgliche Pflanzennahrung zu verwerten, besitzen die Fische einen Darm, der fünfmal so lang ist wie die Standardlänge des Fisches. Für die Aquarienhaltung bedeutet dies vor allem, dass nur wenig proteinreiche und vor allem keine fettreiche Nahrung verfüttert werden soll, die dafür aber mit einem hohen Grünanteil versehen ist. Wenn möglich, sollte Öfter am Tag gefüttert werden. Spirulinahaltiges Futter, wie es auch für Tropheus gerne verwendet wird, scheint mir ideal zu sein.


    Wir haben bisher praktisch nur von Konings Beobachtungen über diese Art zur Verfügung, die er im natürlichen Habitat gemacht hat. Danach verteidigen die Männchen in durchschnittlich 30 Metern Tiefe Reviere in der Nähe von größeren Felsblockcn, gelegentlich aber auch bereits in 15 Metern. Das Zweimeter-Becken, in dem sich bei Jürgen zwei Männchen, drei Weibchen und noch zwei weitere Arten tummeln, wird von dem dominanten Männchen, beim Jagen seines Nebenbuhlers, zügig durchschwömmen. Sehr viel kleiner dürfte es nicht sein, sonst wäre der Ausweichplatz für das unterlegene Tier zu klein. So aber sind beide in einem erstaunlich guten Zustand. Das dominante Tier scheint auch nur dann in Brutstimmung zu kommen, wenn eines der Weibchen Ablaichbereitschaft signalisiert. Die Eiablage erfolgt einfach auf dem Sand. Einen Bau oder eine Grube konnte ich nicht feststellen.


    Männchen von Copadichromis borleyl „Kadango",
    1985 auf einer Ausstellung in Malmö fotografiert.




    Weibchen von C. borleyi „Kadango" mit quittegel-
    ben Flossen; 1985 In Malmö fotografiert.



    Nach zweieinhalb Wochen entlässt das Weibchen etwa 40 Jungtiere, die anfangs mit Artemia-Nauplien oder Staubfütter problemlos ernährt werden können.
    Die zweite Copadichromis-Art, die ich hier streifen möchte, ist in aquaristisehen Kreisen viel bekannter und beliebter. Es ist der „Kadango" meist auch „Kadango-Red" genannt. Staeck (1983) stellte diese Tiere meines Wissens erstmals im Schrifttum vor.
    Die Körperfarbe der Männchen bezeichnete er als orangerot bis braunrot. Der kräftig metallisch blau glänzende Kopf der Männchen war sicherlich ein ganz netter Kontrast, aber „umgehauen" hatte diese Färbung nicht wirklich. Ganz im Gegenteil, die Weibchen, die mit gelben bis tatsächlich orangeroten Flossen markant anders gefärbt waren als die anderen, damals bekannten Weibchen von Malawisee-Haplochromis-Arien. Sie waren es eigentlich




    Männchen von C borley i„Kadango" 1969 auf einer
    Ausstellung in Friedrichshafen

    auch. die dem „Kadango" den Zusatz „Red" einbrachten. Schon gleich zu Beginn waren sich die Autoren nicht ganz einig, ob es sich wohl um eine eigene An handeln würde, was die Mehrheit glaubte, oder aber um eine Standortvariante des damals noch Haplochromis borleyi genannten Fisches.
    Konings (1989) schreibt, dass er früher einmal geschrieben hat, dass der „Red Kadango" wahrscheinlich eine Rasse von Cyrtocara borleyi. sei.nun könne er aber bestätigen, dass es sich um eine unbeschriebene Art handelt, wovon der sogenannte „borleyi goldfin" eine Variante sei. Wie man sieht,
    ist heute alles anders und der „Kadango-Red" gilt als eine von vielen Standortvarianten von Copadichromis borleyi (siehe Konings, 2001). Anders als andere Utaka ist C. horleyi standorttreu, Männchen mit einem Revier in Felsnähe legen sogar Algengärten an. Wahrscheinlich hat diese Art durch diese Sesshaftigkeit unterschiedliche geografische Varianten entwickelt.


    Konings war aber auch der Erste, der das Ablaichverhalten im Aquarium in Wort und Bild dokumentierte, Männchen sammeln demnach Sand und tragen ihn auf einen erhöhten Felsen mit waagerechter Oberfläche. Dabei sieben sie den feinsten Sand über die Kiemen aus, der für eine Laichmulde verwendet wird. Gröbere Steinchen werden wieder weggetragen. Konings vermutet, dass die Tiere dies tun damit den Weibchen später keine Verwechslung mit den Laichkörner passiert. Im Aquarium kann man aber durchaus beobachten, dass die Männchen einfach eine Sandkuhle am Boden anlegen und sie nicht auf einer Erhöhung bauen. Die Weibchen bebrüten die Eier etwa drei Wochen lang im Maul. Die Aufzucht der frisch geschlüpften Larven kann dann, wie üblich, mit Artemia-Nauplien und anderem feinen Lebendfutter, aber sogar mit zerriebenen Futterflocken erfolgen.


    Als Konings seinen Zuchtberieht verfasste, schrieb er auch, dass der „Kadango" schon seit vier Jahren nicht mehr eingeführt worden ist. Einen Grund gibt er zwar nicht an, aber damals war es vielleicht schwierig oder zu aufwendig, vom Südostufer des Sees, wo Kadango liegt, Fische zu fangen und zu den Exportstationen zu bringen. Stuart Grant hat später solche Arten, die an weiter entfernten Stellen im See vorkamen, in seiner Anlage gezüchtet. Auch vom Malawisee kommende Fische, waren also nicht unbedingt Wildfänge. Der Markt für den bei Aquarianern beliebten Fisch musste also damals




    „Moderner Typ" von C. borleyi „Kadango";
    ein wahrer Kadango-Red und Ergebnis von Selektionszucht


    eine ganze Weile über Nachzuchten gedeckt werden. Wahrscheinlich hatte sich daher schon bald eine Selektion bei den Züchtern auf besonders rote
    Tiere ergeben. Als ich 1989 wieder einmal Tiere auf der AquaFisch in Friedrichshafen sah, waren diese bereits deutlich kräftiger gefärbt als diejenigen, die ich vier Jahre zuvor in Malmö fotografieren konnte. Auch die Weibchen hatten nun wirklich orangerote Flossen. Zwar waren solche Weibchen auch vorher schon bekannt, anscheinend wurden die orangefarbenen aber den gelben vorgezogen, denn letztere verschwanden zunehmend aus den
    Anlagen der Händler.
    Dieser Tage sah ich nun bei dem schon erwähnten Züchter Jürgen dann, wohin die Selektion rühren kann. Nun waren auch die Männchen des „Kadango-Red"' ihrem Namen gerecht geworden. anstelle von orangebraunen Schuppen auf den
    Seiten, besaßen sie kräftig rote. Auch die Weibchen zeigen nun intensiv rote Flossen. Obwohl Konings von bis zu 16 Zentimetern Länge bei C borleyi
    spricht, hängt es wohl im Aquarium auch etwas von den Hälterungsbedingungen ab, ob die Tiere so groß werden, obwohl doch Aquarientiere, bei Buntbarschen zumindest, oft größer werden als ihre in der Natur lebenden Artgenossen.



    Auch die Weibchen heutiger"Kadango Red" Tragen
    intensiv rot-orange fefärbte Flossen


    DCG-Informationen 40 (2) 25-30